DE2312124B2 - Verfahren zur verbesserung der textilen eigenschaften von polypeptidfasern - Google Patents
Verfahren zur verbesserung der textilen eigenschaften von polypeptidfasernInfo
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Description
Behandlungen von vorhergesponnenen odersogargewebten
Cellulosefasern zur Verbesserung von bestimmten Eigenschaften dieser Fasern, insbesondere ihrer
Reckfestigkeit sowie ihrer Färbbarkeit, sind bereits bekannt. Beispielsweise werden sie einer Merzerisierung
oder sogar einer Behandlung mit flüssigem Ammoniak unterworfen. Um jedoch bei Cellulosefasern
die gewünschte Wirkung zu erzielen, ist es unerläßlich, gewisse Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen
und gewisse Arbeitsweisen anzuwenden, wenn Gespinnste oder Gewebe in flüssiges Ammoniak geführt
werden. Insbesondere kann die Berührung der Fasern mitdem Ammoniak kurzzeitig sein und etwa 1 Sekunde
betragen. Andererseits müssen die Gesptnnste oder Gewebe während ihrer Behandlung unter hoher mechanischer
Spannung gehalten werden, die möglichst dicht an der Elastizitätsgrenze der Fäden liegt. Die Entfernung
des Ammoniaks erfolgt mit Wasser oder Wasserdampf. Nach der Behandlung ist die Länge der
Fäden oder des Gewebes größer als die ursprüngliche Länge. Dies entspricht im Falle von Fäden einer Erhöhung
der Garnnummer. In jedem Fall sind die Fäden glänzender und glatter, dichter und fester. Ihre
Elastizität ist praktisch verschwunden und ihre Stabilität erhöht.
Gegenstand der Erfindung ist die Anwendung dieser Art von Behandlung auf Polypeptidfasern, insbesondere
auf Wolle. Wie die folgende Beschreibung zeigt, werden durch eine solche Behandung sehr vorteilhafte
Ergebnisse und eine wesentliche Verbesserung gewisser Eigenschaften dieser Fasern erzielt. Dieses Ergebnis
ist völlig überraschend, da die Natur der Polypeptidfasern von der Struktur der Cellulosefasern völlig verschieden
ist.
Gemäß der Erfindung werden die Polypeptidfasern in Form von Streichwolle, Fäden, gewebten oder gewirkten
Fertigwaren oder in beliebiger anderer Form mit Hüssigem Ammoniak behandelt. Die Behandlung
kann beispielsweise durch Imprägnierung oder durch Eintauchen in ein bei -33"C bei Normaldruck gehaltenes
Bad von flüssigem Ammoniak erfolgen. Sie kann auch bei einer Temperatur über 33 C (Siedetemperatur
von Ammoniak bei Nornialdruck), jedoch bei einem erhöhten Druck, /.B. bei 6 Alm. und 20 C,
vorgenommen werden. Fs ist lerner möglich, dem /ur Behandlung verwendeten Ammoniak beliebige geeignete
llilfsstoffe. Schlichten, Weichmacher, Farbstoffe
usw. /uzuset/en. Die Behandlung wird kontinuierlich oder diskontinuierlich durchgeführt und wird im allgemeinen
dem zu behandelnden Produkt und den gewünschten Eigenschaften angepaßt. Zu betonen ist
die Leichtigkeit, mit der die Wolle odei andere PoIypeptidfasem,
die in dieser Weise behandelt worden sind, vom flüssigen Ammoniak befreit werden. Hin
einfaches Trocknen bei einer Temperatur oberhalb der Siedetemperatur von flüssigem Ammoniak is! im allgemeinen
ausreichend.
Fs wurde festgestellt, daß die Verbesserung der Eigenschaften der nach dem Verfahren gemäß der Erfindung
behandelten Fasern nur dann dauerhaft ist, wenn die Behandlungsdauer über einer bestimmten
Grenze liegt, die von den Arbeitsbedingungen abhängt. Wenn die Behandlung bei -33 C und Normaldruck
durchgeführt wird, liegt diese untere Grenze bei etwa einer Minute.
Der Griff der Fäden und der Ware wird mit zunehmender Dauer der Behandlung immer fester,
während die Festigkeitseigenschaften und die Elastizität der Fäden oder der Ware im wesentlichen in Abhängigkeit
von der Behandlungsdauer steigen und dann jenseits einer oberen Grenze unverändert bleiben. Diese
Grenze hängt von den zu behandelnden Produkten und von der Art der Behandlung ab. Sie liegt beispielsweise
bei etwa 40 Minuten für eine Behandlung bei -33°C und Normaldruck.
Schließlich wurde festgestellt, daß durch die Behandlung gemäß der Erfindung die Farbaffinität der Fasern
ohne Rücksicht auf die Form des behandelten Produkts verbessert wird.
Wenn die Polypeptidfasern in Form von Fäden oder Fertigwaren vorliegen und eine Verbesserung der
Elastizität oder der Kräuselung gewünscht wird, ist es jedoch wichtig, daß während der Behandlung keinerlei
Spannung ausgeübt wird. Vorzugsweise bemüht man sich, eine gewisse Entspannung der Fäden oder
der Fertigwaren sicherzustellen. Wenn beispielsweise die Fäden oder die Webware oder Wirkware während
ihrer Behandlung mit Ammoniak kontinuierlich bewegt werden, ist die Eintrittsgeschwindigkeit der Fäden
oder der Ware in die Vorrichtung oder das Behandlungsbad um einen solchen Betrag höher als die Austrittsgeschwindigkeit,
daß die durch die Behandlung eintretende Schrumpfung ausgeglichen wird.
Durch diese Arbeitsweise und Vorsichtsmaßnahmen können verbesserte Polypeptidfasern erhalten werden.
Die fertiggestellten Fäden und Fertigwaren haben eine sehr hohe Fülligkeit und Elastizität. Ferner verbessert
diese Behandlung den Widerstand der Ware gegen Verfilzung und ihre Einlauffestigkeit. Angesichts dieser
Eigenschaften ist es erforderlich, daß es auch sehr interessant und vorteilhaft sein kann, Mischfasern einer
solchen Behandlung zu unterwerfen.
Es wurde festgestellt, daß durch die Behandlung der Polypeptidfaser mit flüssigem Ammoniak Veränderungen
ihrer Eigenschaften stattfinden, die in Abhängigkeit von der Behandlungsdauer nach der Entfernung
des flüssigen Ammoniaks mehr oder weniger bleibend und dauerhaft sind.
Der Mechanismus, der für diese Wirkung angenom-
men wird, ist derjenige einer bevorzugten hinwirkung des Ammoniaks auf den Orthoeortex. Hieraus ergibt
sieh eine stärkere Differenzierung zwischen dem Orlhoeortex
und dem Paracortex, die zu den obengenannten Eigenschalten führt.
Um das erfindungsgemiük Verfahren zu erläutern,
werden Versuche an Wolle in verschiedenen Formen durchgeführt, wobei das Material für unterschiedliche
Zeit bei Normaldruck in ein bei -33 C gehaltenes Bad aus llüssigem Ammoniak getaucht wird. Die Entfernung
des flüssigen Ammoniaks erfolgt einfach durch Trocknen an der Luft. Anschließend werden verschie-
a) Bestimmung der Maßänderungen beim dene Untersuchungen vorgenommen, um die Eigenschaften
der behandelten Produkte zu bestimmen. Die Bedingungen und Ergebnisse sind nachstehend genannt.
Beispiel i
Maschenmuster aus Wolle
Maschenmuster aus Wolle
A nicht behandelt
B 30 Minuten behandelt
C 60 Minuten behandelt
I) 90 Minuten behandelt
| Maschenrichtung quer zur Maschenrichtung Oberfläche |
Entspannen | Waschen | Insgesamt | |
| A | Maschenrichtung quer zur Maschenrichtung Oberfläche |
-12,3% -3,4% -15,7% |
-3,1% -1,7% -4,8% |
-15,4% -5,1% -20,5% |
| B | Maschenrichtung quer zur Maschenrichtung Oberfläche |
+ 1,8% -1,3% +0,5% |
-1,1% -1,9% -3 % |
+0,7% -3,2% -2,5% |
| C | Maschenrichtung quer zur Maschenrichtung Oberfläche |
-0,3% -1,4% -1,7% |
+ 1,1% -2,3% -1,2% |
+ 0,8% -3,7% -2,9% |
| D | +0,9% -1,1% -0,2% |
+0,1% -1,4% -1,3% |
+1 % -2,5% -1,5% |
|
b) Taschenbildung
Mittels eines Berstfestigkeitsprüfers deformiert man das Muster mit einer 10-mm-Spitze und mißt mit dem
Kathetometer die Höhe der kugelförmigen Kalotte, und zwar sofort nach dem Versuch und 24 Stunden
später.
Sofort
(mm)
(mm)
Nach 24 Std.
(mm)
(mm)
23,3
11,6
14
11,6
14
20
10,3
9,6
10,3
9,6
A : 19,5 g/m
B : 29,5 g/m
B : 29,5 g/m
Die Behandlung führt also zu einer Schrumpfung von 34%. Beim Messen der Faserlänge zeigt sich eine
Vergrößerung von etwa 10%.
Die Länge der Fasern und ihre Verteilung, d.h., der Prozentsatz der Fasern unterschiedlicher Länge, wird
mit Hilfe einer elektronischen Apparatur (Almeter) bestimmt, wie sie vom »Plnstitute Textile de France«
und vom »International Wool Secretariat« üblicherweise verwendet wird.
Die folgende Tabelle zeigt die Ergebnisse des Almeter-Versuches:
bei 20 mm bei 30 mm bei 40 mm bei 50 mm
Wie ersichtlich, wird sowohl die Einlauffestigkeit als auch die Elastizität der Wolle durch die erfindungsgemäße
Behandlung merklich verbessert.
Beispiel 2
Roher Kammzug
Roher Kammzug
A nicht behandelt
B 60 Minuten behandelt
a) Schrumpfung
Zur Ermittlung der Schrumpfung des behandelten Fasermaterials wird der Titer der Fasern in g/m jeweils
vor und nach der Ammoniakbehandlung ermittelt und daraus der prozentuale Schrumpfungswert errechnet
(Standard-Prüfungsmethode gemäß »FInstitute Textile de France« und »International Wool Secretariat«).
4,3
9,3
9,3
10,5
20,3
20,3
19,3 31,3
29,0 46,3
b) Kräuselungszahl und Zusammendrückbarkeit A : 2,88 Kräuselungen/cm
B : 5,19 Kräuselungen/cm
Zunahme 80%
B : 5,19 Kräuselungen/cm
Zunahme 80%
Unter Berücksichtigung der Schrumpfung bedeutet dies eine Zunahme der absoluten Kräuselungszahlen.
Diese Zunahme hat eine beachtliche Wirkung auf die Zusammendrückbarkeit; denn die behandelte Faser
ist 2,8 mal widerstandsfähiger gegenüber der Verdichtung als die nicht behadelte Faser bei einer scheinbaren
Dichte der Wolle von 120 kg/m3.
Claims (4)
1. Verfahren zur Verbesserung der textlien Eigenschaften,
insbesondere der Rille und Elastizität s von als Streichwolle, Fäden, gewebte oder gewirkte
Fertigwaren oder in beliebiger anderer Form vorliegenden
Polypcptidfasern, dadurch gekennzeichnet,
daß man die Fasern mit flüssigem Ammoniak behandelt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man das flüssige Ammoniak bei
-33 C unter Normaldruck mindestens 1 Minute auf die Fasern einwirken läßt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch ge- is
kennzeichnet, daß man während der Behandlung keine Spannung auf die Fasern ausübt.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet,
daß man die Fasern während der Ammoniakbehandlung kontinuierlich bewegt und ihre
Zufuhrgeschwindigkeit zum Ausgleich der Schrumpfung höher wählt als ihre Abzugsgeschwindigkeit.
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